Im Folgenden wird es eine kleine Reihe über Dionysius Areopagita geben, der der "Vater der abendländischen Mystik" genannt wird.

Er wird auch gerne Pseudo-Dionysius genannt, weil er sich für den Dionysius ausgegeben hat, der von Paulus durch seine Areopagrede aus der Apostelgeschichte bekehrt wurde. Und er hatte viel zu tun mit Menschen, die auch in der Bibel vorkommen. Ein Werk widmet er Timotheus und einen Breif schreibt er an Johannes. Und, ja wie soll man sagen, er war vermutlich eher ein Mönch im 5. Jh. aus Syrien, also ist es eher unwahrscheinlich, dass er einer war, der schon in der Apostelgeschichte erwähnt wird.
Als der Schwindel aufflog hat man sich schnurstracks von ihm abgewandt und er ist als großer Fälscher in die Geschichte eingegangen. Er ist quasi der Kujau des Frühmittelalters.(Man siehe nur die Ähnlichkeit in Haltung und Ausdruck...)
Aber er hat noch soviel mehr zu bieten, als nur eine äußerst geschickte Täuschungsaktion (die darüberhinaus dafür gesorgt hat, dass heute wirklich keiner weiß, wer denn die Texte wirklich verfasst hat. Das haben nicht viele geschafft.)
Der Einfluss dieses Dionysius auf die geistesgeschichte ist oft mit dem von Augustinus verglichen worden. Er war also einer der ganz großen. Und abgefahrener Weise ist er nach der Entdeckung seines Etikettenschwindels gänzlich in der Versenkung verschwunden. Ich glaube die Forscherschaft war einfach nur sehr sehr beleidigt, so kräftig verarscht worden zu sein.
Aber das nur im Vorhinein, um zu erklären, warum Dionysius gleichzeitig so unflussreich und so unbekannt zugleich ist.
Am Bekanntesten wurde Dionysius für seine negative Theologie." Negativ" meint in diesem Zusammenhang jedoch nicht, dass er irgendwie depressive Frömmelei betrieben hätte. Im Gegenteil: Er war ein Mann der Freude und des Feierns. "Negativ" war seine Theologie, weil er darauf bestand, möglichst zutreffend und angemessen von Gott zu reden. Das ist nun auch nicht negativ, zutreffend von Gott zu sprechen. Wenn man jedoch der Meinung ist, dass man zutreffend von Gott sprechen kann, dann hätte Dionysius gesagt: Können wir nicht. Und darum hat er peinlichst darauf geachtet, alles, was er über Gott sagt so einzuschränken, dass niemand denkt, er würde nun wirklich mit seinen Worten Gott beschreiben können.
Da könnte man sich nun mal denken, was dabei herauskam: Das Schweigen im Walde. "Gott ist ____________________kann ich nicht sagen__________..."
Nein, sondern eine Sprache, die noch heute für Sprachbegeisterte umhauend ist. Dionysius hat zuerst durchaus positive Aussagen über Gott gemacht. Dann hat er jedoch versucht, diese so weiterzuführen, dass eben klar wird: Wenn ich was über Gott sagen müsste (und das muss ich), dann würde ich es so sagen, aber eigentlich trifft das nicht im Mindesten das, was Gott selbst ist.
Das sieht dann in der Umsetzung, z.B. in einem Gebet so aus:
"DREIFALTIGKEIT,
überwesenhaft
und übergöttlich
und übergut,
Bewahrerin der Gottesweisheit der Christen,
führe uns auf den
überunerkennbaren
und überhellen
und höchsten
Gipfel der mystischen Worte.
Dort sind verborgen
die einfachen
und unverhüllten
und unwandelbaren
Geheimnisse der Gotteswissenschaft;
- gemäß dem überlichten Dunkel des Schweigens,
das in seiner äußersten Finsternis
das Überhellste überstrahlt
und im ganz und gar Unfassbaren
und Unüberschaubaren
die augenlosen Geister übererfüllt,
mehr als der überschönste Glanz.
DAS SEI MEIN GEBET!"
(Aus der "Theologie Mystica", übersetzt von J. Sudbrack in: ders.: "Trunken vom hell-lichten Dunkel des Absoluten", Einsiedeln/Freiburg 2001)
Mensch Mensch, das sind unglaubliche Wortgirlanden.
Eine Möglichkeit besteht für Dionysius darin, bestehende Bilder zu benutzen, um in ihnen Gott besser zu erkennen. Die für ihn weitaus bessere Möglichkeit besteht darin, eigene neue Bilder zu suchen und sich Gott so konstruktiv zu nähern. Ihm selbst näher zu kommen, indem man nach Bildern und Worten sucht, die man dann zurücklassen kann.
Sehr faszinierend und durchaus fruchtbare für unsere Zeit!
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